„Sonne und Schmerz“, nichts kann sich hier verstecken. Und so verrät schon der Albumtitel, in welches Spektrum an Gefühlen man mit der Newcomerin taucht. GRETA – wildes Herz, volles Hirn, Kopf in den Wolken – nimmt einen sofort an die Hand. Eine kräftige Stimme, die bewegt, und so folgt man GRETAs Körper, ihrem Geist, entlang von Hoffnungen und auch Unsicherheiten. Immer irgendwo zwischen Licht und Finsternis, zuckenden Ups und Downs, eben zwischen Sonne und Schmerz.
Wer die Musikerin kennenlernen will, muss vor allem zwei Songs hören: „Chaos im Kopf“ und „holidaze“. Weil sich genau hier abzeichnet, was auch den Tenor des Albums bestimmt. Ein steter Limbo zwischen den großen Fragen, die aufploppen, während man erwachsen wird, es werden soll, aber „bemerkenswert lost“ scheint, und dem unbedingten Willen, sich zumindest ein kleines bisschen kindliches Träumen zu bewahren. Bloß nicht alles an die großen Sinnfragen eines Lebens verlieren, bitte! Während in „Chaos im Kopf“ die Gedanken Schleifen ziehen und nichts zur Ruhe zu kommen scheint, „Vielleicht bin ich naiv, vielleicht zu primitiv / Denn ich stürze mit ´nem Grinsen in den Abgrund / Wenn’s einen gibt“, kreiert „holidaze“ den genau gegenteiligen Vibe. Da ist das Im-Moment-Sein, das Genießen, kein Second Guess, einfach leben: „Will deinen Namen singen / So laut und so lang bis das SEK vor dem Apartment steht / Wär das ok?“. Zwei Songs, die verschiedener nicht sein könnten, auch in ihrer Musikalität. Poppiger Drum’n’Bass, der treibt, versus soulig-funkige Sounds, die schwimmen, aber die Ausschläge im Inneren der Musikerin scharf zeichnen.
Die Musikerin gibt es nicht ohne einen ordentlichen Batzen Melancholie, der sich immer nach irgendetwas sehnt. Ein Nachdenken, das manchmal dunkel scheint und manchmal tiefgründig. Aber: keine Hoffnung ohne Schmerz, oder so. Dass niemand immer nur so oder so ist, ist klar. Und vielleicht war es schon immer eine der schwersten Sachen, man selbst zu sein, weil es bedeutet, sich zu mögen, eben auch dann, wenn man sich mal nicht ausstehen kann.
Und so gelingt es GRETA mit einer feinsinnigen Schamlosigkeit, sich in ihrer Musik zu zeigen. Durchlässig, bewegt, echt. Ein bisschen kopflos fast verschwimmt sie mit ihr, in ihr immer diese „leichte Schwere“, wie sie sagt, und allein das klingt so treffend ehrlich. Person und Musik verschränken sich organisch miteinander, sodass die Songs auf „Sonne und Schmerz“ voll bepackt sind mit ihr, GRETA, die erzählt.
Von „growing up is a trap“ als Leitsatz bis Herzchen in den Augen und einem lauten Lachen im Trubel eines jungen Lebens. Es geht ums Ankommen, um diesen Großstadt-Dschungel, den sie durchstreift, um das Gefühl, verloren zu gehen, es manchmal zu wollen, und um den Versuch, sich selbst sein Zuhause zu sein. Hoch und runter geht es, immer so weiter, wie die Wellen im Meer, die man verstehen lernen muss, weiß GRETA, die sich als Surferin mit ihnen bewegt als wären sie Eins.
GRETA singt zwar davon, dass es nicht easy ist, erwachsen zu werden, doch auf ihrem Albumdebüt erfasst sie in verschiedenen Nuancen, was es wirklich bedeuten könnte, erwachsen zu sein und zwar genau das: Ein sich Annähern an Zustände, die einem Antworten geben auf das Wie und die Erkenntnis, dass es diese Antworten nie geben wird, weil sich alles immer wieder ändert – „Ich bin immer zwischen Sonne und Schmerz“
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Quelle: © Sony Music
