ALBUM | Lyambiko „Muse“ | ab heute im Handel

Die deutsche Sängerin Lyambiko hat ihre Laufbahn zwar als Jazzsängerin angefangen, sich aber längst einer künstlerischen Offenheit verschrieben, bei der es viel mehr um persönliche Timbres, spontane Stimmungen und subjektive Perspektiven geht als um festgelegte Kategorien oder gar Ausgrenzungen. Auf ihrer neuen CD „Muse“ setzt sie sich eine thematische Klammer: Die von ihr ausgewählten Stücke stammen ausschließlich von Frauen. Die Frauen, deren Originale sie hier zum besten gibt, haben ihre Songs unter ganz unterschiedlichen Bedingungen, gegen höchst unterschiedliche Widerstände geschrieben. Lyambiko eignet sie sich an und formt sie zu ihrer eigenen Geschichte.

Der Song „Horacio“ stammt von Jutta Hipp, einer Leipziger Pianistin, die Anfang der fünfziger Jahre als Europas „First Lady in Jazz“ galt. Sie suchte ihr Glück in Amerika, wo sie drei Alben für Blue Note aufnahm, bevor sie in der damaligen Männerwelt des Jazz die Waffen streckte und sich dem Textil Design verschrieb. „Landslide“ aus der Feder von Stevie Nicks war 1977 ein Hit für die damals unvergleichlich erfolgreiche Pop-Band Fleetwood Mac. Mit Aki Takase und Julia Hülsmann sind zwei Pianistinnen unter den Komponistinnen, die in den zurückliegenden Jahren und Jahrzehnten maßgeblich die Berliner Jazz-Szene geprägt haben. Abbey Lincoln, von der „And How I Hopes For Your Love“ stammt, hat mit ihren Songs an der Seite von Max Roach die amerikanische Bürgerrechtsbewegung begleitet, bevor sie zu einer großen Balladeninterpretin wurde. „On And On“ war nicht nur die Debüt-Single, sondern zugleich ein vielfach ausgezeichneter Riesenhit der amerikanischen Sängerin Erykah Badu, die mit ihrer bisherigen Laufbahn einen kühnen Bogen von HipHop über R&B bis zum Jazz schlug. Jill Scott, Ann Ronell, Bernice Petkere, Consuelo Velazquez, Fumi Udo und Kay West sind weitere Songwriterinnen, auf deren Vorlagen Lyambiko hier ebenso lustvoll wie behutsam zurückgreift. Dieses Bekenntnis zu den weiblichen Impulsen in Jazz und Pop wäre jedoch höchst unvollständig, wenn mit dem unbekümmert swingenden „Spring“ nicht auch eine Nummer von Lyambiko selbst dabei wäre.

Man soll und kann „Muse“ vor dem gedanklichen Hintergrund der femininen Inspiration genießen, die Lyambiko zu dieser außergewöhnlichen Liederreise bewog, als eine wunderbare musikalische Erzählung in 15 Kapiteln, die gleichermaßen in der Vergangenheit und Gegenwart spielt und ebenso zum Nachdenken und Innehalten auffordert, wie sie sich zur bunten Vielfalt des Lebens bekennt.

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Quelle: MCS Berlin